48 Stunden von der Idee zum Startup: Impossible Founders (IF-Sprint) in Hamburg

Wie viel kann innerhalb von 48 Stunden entstehen?

Eine Idee entwickeln, ein Geschäftsmodell entwerfen, ein erstes Produkt umsetzen und am Ende vor Investorinnen und Investoren aus Hamburg präsentieren: Genau darum ging es am Wochenende beim IF Sprint von Impossible Founders in Hamburg.

Für mich war die Teilnahme eine Rückkehr zu einem Umfeld, das mich seit meinem Studium begleitet und bis heute begeistert: Menschen kommen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zusammen, hinterfragen bestehende Lösungen und versuchen, innerhalb kürzester Zeit etwas Neues zu schaffen.

Zurück im Startup-Spirit

Wer mich kennt, weiß, dass mich Unternehmertum und Innovation schon lange beschäftigen. Während meines Masterstudiums in Entrepreneurship & Innovation an der Universität Lund und in meiner derzeitigen Tätigkeit als Mentor und Member of the Board erlebe ich, wie kraftvoll ein Umfeld sein kann, in dem Ideen nicht sofort danach bewertet werden, warum sie scheitern könnten.

Auch heute bin ich dem Startup-Umfeld eng verbunden. Ich investiere in Startups und arbeite mit jungen Unternehmen zusammen, insbesondere im HR-Tech-Bereich. Mich interessiert dabei nicht nur die technologische Seite, sondern vor allem die Frage, wie neue Lösungen Arbeit, Führung, Lernen und Organisationen verändern können.

Diese Einblicke nutze ich sehr gerne, um neue Perspektiven und Inspiration für meine eigene Arbeit in der Personal- und Organisationsentwicklung bei der Ev. Stiftung Alsterdorf zu gewinnen. Der Austausch mit Gründerinnen und Gründern hilft mir dabei, gewohnte Denkweisen zu hinterfragen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Impulse aus der Startup-Welt in etablierte Organisationen zu übertragen.

Im Zentrum steht dabei immer wieder eine Frage:

Was könnte möglich werden, wenn wir es einfach ausprobieren?

Genau diesen Spirit konnte ich beim IF Sprint auch in Hamburg erleben. Die Atmosphäre war geprägt von Offenheit, Geschwindigkeit und dem Mut, unfertige Gedanken miteinander zu teilen. Niemand kam mit einer vollständig ausgearbeiteten Lösung. Gerade darin lag die Stärke des Formats.

Innerhalb von nur 48 Stunden mussten wir als Teams aus ersten Überlegungen eine konkrete Geschäftsidee entwickeln, einen ersten Prototypen gestalten und unsere Lösung schließlich vor Investorinnen und Investoren aus Hamburg präsentieren.

Workshops mit direktem Praxisbezug

Der Sprint bestand jedoch nicht nur aus Teamarbeit und Produktentwicklung.

Begleitend gab es verschiedene praxisnahe Workshops, die wichtige Bausteine für die Entwicklung eines Startups vermittelten. Dazu gehörten unter anderem Sessions zur Value Proposition, zu rechtlichen Fragestellungen sowie zu weiteren Grundlagen der Geschäftsmodellentwicklung.

Gerade diese Kombination aus konkreter Arbeit am eigenen Produkt und gezieltem Input war besonders wertvoll. Die Workshops halfen uns, unsere Idee kritisch zu hinterfragen, klarer zu formulieren und aus der Perspektive potenzieller Kundinnen, Kunden und Investoren zu betrachten.

Denn eine gute Idee allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob sie ein relevantes Problem löst, einen verständlichen Nutzen bietet und auch rechtlich sowie wirtschaftlich tragfähig gedacht werden kann.

Von Nanotechnologie bis Nachhaltigkeit

Die inhaltliche Bandbreite der entwickelten Lösungen war beeindruckend. Die Teams beschäftigten sich unter anderem mit Nanotechnologie, Nachhaltigkeit und verschiedenen technologischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen.

Diese Vielfalt hat gezeigt, wie unterschiedlich Innovation aussehen kann. Sie beginnt nicht immer mit einer revolutionären Erfindung. Manchmal beginnt sie mit einer alltäglichen Beobachtung, einem ungelösten Problem oder der Frage, warum ein bestehender Prozess noch immer so kompliziert ist.

In unserem Team entstand die Idee für Legacy Loop, eine KI-basierte Wissensmanagement-Plattform. Ich hatte diese Idee initial vorgestellt, da mich das Thema Wissensmanagement sehr beschäftigt, insbes. mit Blick auf den demografischen Wandel.

Legacy Loop: Wissen bewahren und zugänglich machen

Organisationen verfügen über enorme Mengen an Wissen. Dieses Wissen befindet sich jedoch häufig nicht in Datenbanken oder Handbüchern, sondern in den Köpfen einzelner Mitarbeitender.

Wenn erfahrene Kolleginnen und Kollegen die Organisation verlassen, ihre Rolle wechseln oder in den Ruhestand gehen, droht ein Teil dieses Wissens verloren zu gehen. Klassische Übergaben reichen häufig nicht aus, um Erfahrungswissen, Zusammenhänge und informelle Abläufe wirklich zu sichern.

Genau an dieser Herausforderung setzt Legacy Loop an.

Die Plattform soll Organisationen dabei unterstützen, relevantes Wissen mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu erfassen, zu strukturieren und für andere Mitarbeitende zugänglich zu machen. Dabei geht es nicht nur um die Speicherung von Informationen. Entscheidend ist, Wissen so aufzubereiten, dass es im Arbeitsalltag tatsächlich gefunden, verstanden und genutzt werden kann.

Innerhalb von 48 Stunden haben wir aus dieser Grundidee ein erstes Konzept und einen Prototyp entwickelt und unsere Lösung anschließend vor Hamburger Investorinnen und Investoren präsentiert.

Natürlich entsteht in zwei Tagen noch kein fertiges Unternehmen. Aber es kann etwas anderes entstehen, das mindestens ebenso wertvoll ist: ein gemeinsames Verständnis für ein Problem, eine erste überprüfbare Lösung und die Erkenntnis, dass aus einer losen Idee etwas Konkretes werden kann.

Innovation braucht unterschiedliche Perspektiven

Besonders wertvoll war für mich die Zusammenarbeit im Team.

In einem Sprint bleibt wenig Zeit für lange Abstimmungsschleifen. Man lernt unbekannte Menschen kennen. Entscheidungen müssen getroffen, Aufgaben verteilt und unterschiedliche Vorstellungen schnell zusammengeführt werden. Das funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, einander zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Idee nicht über das gemeinsame Ergebnis zu stellen.

Deshalb möchte ich meinem Team besonders danken. Was innerhalb dieser kurzen Zeit entstanden ist, war nur durch die unterschiedlichen Fähigkeiten, Perspektiven und den großen gemeinsamen Einsatz möglich.

Die 48 Stunden waren intensiv. Gleichzeitig haben sie gezeigt, wie schnell Teams handlungsfähig werden können, wenn das Ziel klar ist und alle bereit sind, ihre Kompetenzen einzubringen.

Inspiration für die eigene Arbeit

Für mich liegt der Wert solcher Veranstaltungen nicht nur in der Entwicklung eines Produkts oder eines Geschäftsmodells.

Ich nehme aus diesen Erfahrungen immer auch neue Fragen für meine eigene Arbeit mit: Wie können Organisationen schneller ins Handeln kommen? Wie lassen sich Ideen früher testen? Wie können Mitarbeitende ermutigt werden, auch unfertige Gedanken zu teilen? Und wie gelingt es, Innovation nicht nur als Projekt, sondern als Teil der Organisationskultur zu verstehen?

Gerade die Verbindung zwischen Startup-Denken und Personal- und Organisationsentwicklung finde ich besonders spannend. Startups sind nicht automatisch innovativ und etablierte Organisationen nicht automatisch langsam. Dennoch können beide Seiten viel voneinander lernen.

Das Startup-Umfeld erinnert daran, dass Fortschritt häufig dann entsteht, wenn Menschen bereit sind, mit begrenzten Ressourcen zu beginnen, Feedback früh einzuholen und Lösungen schrittweise weiterzuentwickeln.

Hamburg braucht Räume für unternehmerisches Denken

Der IF Sprint hat mir erneut vor Augen geführt, wie wichtig solche Formate für Hamburg sind.

Innovation entsteht m. E. dort, wo Menschen Räume erhalten, um zu experimentieren, Ideen zu testen und auch mit Unsicherheit umzugehen. Dazu braucht es Veranstaltungen, Netzwerke und Initiativen, die nicht nur über Unternehmertum sprechen, sondern Menschen tatsächlich ins Handeln bringen.

Gerade Hamburg verfügt über großes Potenzial: eine vielfältige Wirtschaftsstruktur, Hochschulen, etablierte Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen, Investorinnen und Investoren sowie eine wachsende Startup-Szene. Entscheidend wird sein, diese unterschiedlichen Welten noch stärker miteinander zu verbinden.

Impossible Founders schafft mit dem IF Sprint einen solchen Raum. Einen Raum, in dem Menschen sich begegnen, voneinander lernen und innerhalb kürzester Zeit erleben können, was unternehmerisches Denken praktisch bedeutet.

Was von den 48 Stunden bleibt

Am Ende bleiben nicht nur ein Pitch, ein Prototyp und die Idee von Legacy Loop.

Es bleibt auch die Erinnerung daran, wie motivierend es sein kann, gemeinsam unter Zeitdruck etwas Neues zu entwickeln. Es bleibt die Begegnung mit Menschen, die nicht nur Probleme beschreiben, sondern nach Lösungen suchen. Und es bleiben neue Perspektiven und Inspirationen, die weit über das Wochenende hinauswirken.

Für mich war der IF Sprint eine tolle Erfahrung und eine willkommene Rückkehr in den Startup-Spirit, der mich bereits während meines Studiums in Lund geprägt hat und meine Arbeit bis heute bereichert.

48 Stunden sind nicht viel Zeit. Aber sie reichen aus, um eine Idee in Bewegung zu bringen.

LG
Marlow

Fotocredits:
Agency: Bowl Studios
Photographer: Juan Camilo Hernandez